"Die geliehene griechische Seele"

von Andrikos Segkis

Warum keine Buchhandlung, warum kein Verlag – warum hier?

Es hätte ein Buch werden können. Vielleicht sollte es das sogar. Eine Geschichte, gebunden, mit Rücken und Klappentext, irgendwo im Regal zwischen Biografie und Belletristik. Mit einem Titel, der alles verspricht: Die geliehene griechische Seele.

Aber je länger er darüber nachdachte, desto klarer wurde: Diese Geschichte lässt sich nicht einmal erzählen. Sie lässt sich nur erzählen – immer wieder, in Stücken, mit Lücken und Korrekturen. Denn sie ist noch nicht fertig. Und das ist keine Schwäche. Das ist ihr Wesen.

Eine geliehene Seele lässt sich nicht in ein Kapitel fassen. Sie taucht auf – in einem Geruch, einem Familiennamen, einem Dokument aus den 1960er Jahren. Sie entzieht sich, kehrt zurück, verändert sich mit jeder neuen Erkenntnis. Kurzgeschichten kommen dieser Wahrheit näher als jedes abgeschlossene Buch.

Sie ermöglichen genau das: Ein Moment, eine Begegnung, ein Bild aus der Vergangenheit – herausgelöst, erzählt, online gestellt. Ohne Lektorat, das die Ecken abschleift. Ohne Verlagsrhythmus, der das Tempo vorgibt. Und vor allem: ohne die Distanz, die ein gedrucktes Buch unweigerlich zwischen Autor und Leser legt.

Hier kann jemand eine Geschichte lesen, kurz innehalten – und vielleicht wiederkommen, wenn die nächste erscheint. Das ist kein Mangel an Ambition. Es ist eine Entscheidung für Unmittelbarkeit. Für ein Erzählen, das atmet.

Die geliehene griechische Seele ist kein Buchtitel mehr. Sie ist das, was diese Seite zusammenhält.


Learn more